über fruchtcocktails

Der Wein riecht sehr intensiv, nach Grapefruit, ein dezenter Rosennduft lässt sich blicken, da noch etwas Quitte und ganz am Ende beflügelt die pürierte Ananas. Nicht zu vergessen die penetrante Katzenpisse.

Wer einem Weinfreund zuhört, wenn er die Nase ins Glas steckt, dem stehen oft die Haare zu Berge. Für viele riecht Wein nach Wein. Nur hat Wein eben keinen eigenen Duft, insofern kann diese Aussage nicht gelten.
Warum muss man Wein überhaupt einer Frucht, einem Gewürz, einem animalischem Aroma zuordnen? Da gibt es verschiedene Antworten. Ich sage, weil es Spass macht. Als Kind hatten wir dieses Spiel, kleine Döschen die beim Öffnen ein mehr oder weniger intensives Bouquet an den Tag legten. Ziel war, zu erraten um was für ein Geruch es sich handelte. Dieses Spiel war der Grund warum ich Vanille jahrelang hasste. Pfui. Bis ich gemerkt habe, dass Vanille in Wirklichkeit ganz anders riecht wie in diesem Spiel. Das ist der Nachteil wenn man das dritte Kind ist und ein Spiel schon seit sieben Jahren rumliegt. Egal, ich habe es geliebt. Klammer zu.
Also, Gerüche erkennen ist eine Art Ratespiel. Aber nicht nur. Der Duft gibt dem Wein seinen Charakter, er lässt darauf schliessen, was uns im Gaumen erwarten wird (obwohl das oft ein Trugschluss ist). Und er verrät, wie komplex der Wein ist. Nur ein oder gar kein Aroma? Einfacher Wein. Eine Explosion unterschiedlicher Düfte? Spannend.
Das interessiert euch nur bedingt? Verstehe ich. Ihr riecht nichts? Verstehe ich auch. Ihr könnt nur beurteilen, ob es gut riecht oder nicht? Auch ok. Schlussendlich ist es Übungssache. Ob es notwendig ist, den Wein so zu beschreiben? Naja sagen wir es so, es gibt dem Wein eine neue Dimension. Gerüche verlocken, betören, wecken Sehnsüchte und Erinnerungen. Et voilà, das ist der wahre Grund, warum wir Weine mit Fruchtcocktails und Pferdestall in Verbindung bringen sollten. Die Erinnerung. Wenn man sich einen Wein merken will, muss man ihn mit viel Material bestücken und dann so im Gedächtnis ablegen. Der Wein der nach Cola-Frosch riecht, gespeichert, vergesse ich sicher nicht mehr und werde mich noch Jahre daran erinnern.

Wein riechen ist vergleichbar mit Kinderschokolade: Spiel, Spass, Spannung.

Falls ihr einmal an einem grossen Tisch gefragt werdet, was ihr im Glas riecht und ihr keine Ahnung habt. Hier die 0815 Antworten. Bei Weissweinen funktionieren Zitrusfrüchte fast immer. Und wenn er etwas fruchtiger ist, alle exotischen Früchte von Melone, über Mango bis zur Litschi. Sollte der Wein nach gar nichts riechen, ist Gras eine gute Antwort. Beim Rotwein ist es abhängig von der Farbe. Helle, leichte Rotweine riechen oft nach roten Johannisbeeren, Himbeeren oder Erdbeeren. Dunkle Weine sind intensiver: Cassis, Kirschen oder Zwetschgen. Etwas Pfeffer ist auch ein Passepartout. Und wenn ihr beeindrucken wollt, Tomatenblätter – weiss eh niemand wie die riechen.
Das sind jetzt alles sehr reduzierte Aussagen und meinerseits schon fast eine Verletzung des Wein-Ehrenkodex. Aber man muss ja nicht immer alles zu ernst nehmen.

Das Schöne am Wein, es gibt kein richtig oder falsch. Jeder von uns hat ein anderes Geschmacksempfinden. Blamieren könnt ihr euch also nicht. Im Gegenteil, sagt ihr z.B. „Aprikosen“ werden bald alle Aprikosen riechen. Der Mensch ist leicht zu beeinflussen.