wein-geschmack

Ein alter, weiser Mann meinte vor Kurzem zu mir: „Wein(geschmack) ist eine Frage der Gewohnheit“. Sprich, wer immer das gleiche trinkt, wird diesen Wein auch immer allen anderen vorziehen.
Ich habe innerlich verneint, nicht laut, weil es unhöflich wäre, einer alten Person zu widersprechen. Geschmack sollte nie ein Resultat von Gewohnheit sein. Er setzt sich, meiner Meinung nach, aus der Offenheit und dem Erfahrungsschatz des Konsumenten zusammen. Es gibt zig Weinstile, die ich liebe oder zumindest interessant finde. Tag für Tag den gleichen Wein trinken – eine gemeine Vorstellung. Jeder Weinstil ist faszinierend, auf seine Art und Weise. Die Vielfalt macht die Freude aus. Also kann die Aussage des Herrn nicht stimmen.
Irgendwie hat es mich aber nicht losgelassen. Von mir weg gedacht, hat der Spruch vielleicht doch etwas. Viele Leute trinken, was sie kennen und gerne haben. Daran ist auch nichts auszusetzen. Ihr liebt argentinischen Malbec, Syrah aus dem Rhonetal oder Sangiovese della Toscana? Fine. Drink it. Nur, der Gaumen gewöhnt sich an diese Aromen/Stile. Was passiert? Bei jedem neuen Wein, wird er nach Dörrfrüchten, Pfeffer, Tannin, usw. suchen. Findet er die geliebten Komponenten nicht, wird der Wein als „mässig“ eingestuft.
Banal? Ein wenig ignorant? Vielleicht. Schlimm? Nein. Eher natürlich. Man greift zum Altbekannten, weil man weiss, dass es gut schmeckt. Der Geschmack kann sich aber nicht entwickeln, solange wir den Gaumen endlos mit den gleichen Tropfen füttern. Umso wichtiger ist es, sich zu öffnen und Neues auszuprobieren, immer wieder. Wenn ihr das tut, sucht bitte nicht nach der Vergangenheit. Beurteilt den Wein so neutral wie möglich. Vielleicht findet ihr ihn nach wie vor scheisse, auch ok. Aber ich bin sicher, dass ihr so auch viele Schönheiten entdecken werdet.
Und es gibt doch nichts erfrischenderes, als zu variieren. Heute einen leicht gekühlten Beaujolais, morgen einen tanninreichen Nebbiolo, am Wochenende einen vielschichtigen Pinot. Je nach Lust und Laune.