swiss wine tasting

Montagabend und ich bin schon chübelium. Das könnte am intensiven Geburifest von gestern liegen, wahrscheinlich sind es aber eher die vier Stunden Wine-Tasting, die hinter mir liegen.
Einmal im Jahr findet in Zürich das sogenannte Swiss Wine Tasting statt. 130 Spitzenproduzenten aus der ganzen Schweiz stellen je 5-6 ihrer Weine vor. Es ist Himmel und Hölle zugleich. Und die beste Gelegenheit überhaupt, Schweizer Weine zu degustieren.

Dieses Jahr logiert der Event im Schiffbau in Zürich. Eine Industriehalle, welche normalerweise als Theater funktioniert. Schöne Location. Und warm. Draussen herrschen 30 Grad. Man könnte meinen, dass eine Zürcher Trend-Location (falls sie das ist) über eine Klimaanlage verfügt. Könnte. Die Hitze wirkt sich natürlich ungünstig auf die Temperaturen der Weine aus. Aber das trübt die Stimmung noch lange nicht. Voller Vorfreude schnappe ich mir ein Glas und los geht es.
Ich denke, die Schweizer Weinwelt einigermassen gut zu kennen. Genau, ich denke, habe aber keine Ahnung. Da gibt es immer noch viele Weingüter, deren Namen mir nichts sagen und deren Weine ich noch nie probiert habe. Natürlich gibt es auch diverse, die ich kenne und liebe. Aber an denen gehe ich heute blicklos vorbei. Degustationen sind dafür da, um Neues kennenzulernen, den Horizont zu erweitern. Ich spaziere also von Einsiedeln, nach Luzern, am Genfersee vorbei ins Wallis, hinauf nach Freiburg, Abstecher in den Aargau, weiter nach Graubünden. Dort bleibe ich eine Weile, bis ich mit einer Vintage-Degu abschliesse. Die Vintage-Degu ist ein kleines Highlight. Eine Fachjury hat diverse 10-jährige Schweizer Weine degustiert und diejenige ausgezeichnet, die beim heutigen Konsum noch für Freudensprünge sorgen. Ich degustiere und bin total überrascht. Wir sprechen hier immerhin von 50 Weinen (nein, nicht alle probiert), die vor Finesse strotzen. Wirklich beeindruckt bin ich vom Pinot Noir élevé en fûts de chaine von Weinbau Lüthi. Der Wein war „nur“ im grossen Holzfass und weist nach 10 Jahren noch kaum Alterserscheinungen auf. Wisst ihr für wie viel Geld? 19 Franken! Kaufen und bunkern, sage ich euch.
Ich entdecke noch mehr, zum Beispiel den sanften vieilles vignes Chassleas von Domaine à Villars, die Weissweine von Simon Maye & fils (mit ihrem endlosen Abgang), den schizophrenen Chardonnay von Niklaus Wittwer und zwei, drei weitere.

Nach vier Stunden habe ich noch lange nicht alle Weine degustiert, die ich kennenlernen wollte. Aber ich muss kapitulieren. Es ist anstrengend und ich kann mich kaum noch konzentrieren. Offensichtlich besitze ich noch nicht die Fähigkeit, acht Stunden durchzudegustieren. Aber das macht nichts, es waren vier glorreiche Stunden. Und was nicht ist, kann ja noch werden.

Die Moral der Geschicht? Die grosse und vielseitige Auswahl an Schweizer Weinen sowie deren Potential ist überwältigend. Schön gibt es Anlässe wie das Swiss Wine Tasting, an denen wir genau das feststellen (oder uns wieder ins Gedächtnis rufen) dürfen. An dieser Stelle ein Dankeschön meinerseits an die Organisatoren von Swiss Wine Connection.