wein beschreiben

Schon einmal Wein getrunken, der nicht geschmeckt hat? Oder seien wir etwas positiver,  schon einmal Wein getrunken, der verdammt gut war?
Das eine wollt ihr in Zukunft sicher vermeiden, das andere immer wieder erleben. Nur, was war so gut bzw. so schlecht am Wein? Er hat einfach geschmeckt? Oder war schlichtweg ungeniessbar? Eine valable Antwort, nur nicht besonders aussagekräftig.
Ob die Welt seitenlange, blumige Degustationsnotizen braucht oder nicht, darüber lässt sich streiten. Aber zu wissen, oder eben beschreiben zu können, welche Art Wein man mag, ist für alle hilfreich – für euch und diejenigen, die euch Wein verkaufen oder servieren. Wein zu kommentieren erfordert etwas Übung und vor allem die nötige Aufmerksamkeit. Einen Schluck trinken, innehalten, überlegen, eine Meinung bilden, diese aussprechen oder abspeichern. Es ist vielleicht deshalb nicht so einfach, weil das Zaubergetränk viele verschiedene Eigenschaften hat und diese nicht sofort ersichtlich sind. Ich versuche, die wichtigsten Komponenten zu erklären.

  • Alkohol: zu wenig Alkohol hat ein Wein selten. Zu viel auch nicht? Jäää, diese Aussage würde ich nicht unterschreiben.  Es gibt Weine, die viel Alkohol haben und dieser gut in das Gesamtbild des Weines passt (z.B. Amarone). Es gibt aber auch Weine, die nichts zu bieten haben (weder Frucht noch Struktur) und nur vom Alkohol getragen werden. Oder noch schlimmer: der Alkohol alles andere überdeckt. Alkohol macht sich durch ein leichtes Brennen im Rachen bemerkbar. Oder dadurch, dass man nach zwei Gläser bereits einen sitzen hat. Rotwein hat grundsätzlich mehr Alkohol als Weisswein. Der Alkoholgehalt ist übrigens abhängig vom Zuckergehalt der Traube, Grund warum die Südländer mehr % haben als die Kollegen aus dem Norden (mehr Sonne, mehr Zucker, mehr Alkohol).
  • Säure: sorgt für den nötigen Kick im Wein, die Lebendigkeit. Wenn zu wenig davon enthalten ist, wirkt der Wein flach, breit, vollmundig, manchmal langweilig. Zu viel Säure wiederum kann dem Wein einen leicht aggressiven Touch verleihen und empfindliche Mägen zum Weinen bringen. Wie viel Säure eine Person verträgt und geniesst, ist individuell und auch eine Frage der Gewohnheit. Ich für meinen Teil liebe Weine mit hohem Säuregehalt. Säure macht sich durch erhöhten Speichelfluss bemerkbar, je mehr Säure, desto mehr Sabber (sexy, gäu?). Weissweine haben mehr Säure als Rotweine und die Dosis ist abhängig von der Traubensorte. Säureheldinnen sind zum Beispiel Riesling, Sauvignon Blanc, Pinot Noir oder Barbera.
  • Tannin: Gerbstoff. Kommt von der Traubenschale und den Kernen und ist somit fast ausschliesslich in Rotweinen erkennbar. Tannin sorgt für ein ausgetrocknetes Mundgefühl. Nimmt man einen Schluck von einem tannenreichen Wein, legt sich eine Art Pelz über die Zähne (Wein ist wahrhaftig eine sehr attraktive Materie). Etwa so, als würde man auf ein Dutzend Traubenkernen beissen. Gutes Tannin ist ein Qualitätsmerkmal, aber zugegeben etwas gewöhnungsbedürftig. Wie markant das Tannin in einem Wein ist, ist ebenfalls abhängig von der Traubensorte. Der unbestrittene Tanninkönig ist Nebbiolo.
  • leichter Wein: ist die Folge von niedrigem Alkoholgehalt, wenig Tannin und einer guten Säure. Leichter Wein fühlt sich leicht an. Wie soll ich das beschreiben, unbeschwert, da kann man ein paar Gläser davon trinken und fühlt sich weder müde, noch erschlagen. Leichte Rotweine können sogar etwas wässrig wirken (wie z.B. Pinot oder Gamay). Ignorante Leute meinen, leichte Weine sind von minderer Qualität. So ne Seich. Möglicherweise sind sie gelegentlich eine Spur einfacher, das hat aber mit der Qualität nichts zu tun. Ich jedenfalls schätze leichte Weine je länger, je mehr. Sie sorgen für gute Laune, passen in jede Runde und können eine beeindruckende Eleganz ausstrahlen.
  • schwerer Wein: das Gegenteil von leicht (so einfach ist die Weinwelt). Es sind diese Weine, die einen sofort spüren lassen: „Mich trinkst du nicht beiläufig, mir schenkst du deine volle Aufmerksamkeit.“, sie haben einen Geltungsdrang. Sie fordern dich zum Kampf heraus, erschlagen dich. In der Regel aber auf eine angenehme Art und Weise. Sofern man gerne erschlagen wird. Schwere Weine sind intensiv, haben viel Alkohol, präsente Tannine. Sie wirken mächtig und voluminös. Perfekt für einen deftigen Abend.

Ich merke gerade, dass ich einige dieser Begriffe schon einmal im Weinlexikon beschrieben habe. Jenu, man kanns nicht oft genug repetieren. Und Falls ihr noch wissen wollt, wie sich fruchtig, trocken und süss definiert -> hier lang. Über das Erkennen von  Duftnoten im Wein habe ich hier schon einmal berichtet.

Voilà, wenn ihr sagen könnt, ob ihr gerne schwere, leichte, säurereiche, tanninhaltige oder alkoholstarke Weine habt, seid ihr schon auf einem relativ guten Weg. Alles andere kommt mit der Zeit. Oder auch nicht. Hauptsache ihr habt was im Glas, das euch Freude bereitet.